Kurz gesagt: Bei cooldown.me stehst du bis zu fünf Minuten in trockener Kälte von –87 °C. Die Haut kühlt dabei stark ab, die Körperkerntemperatur kaum. Entscheidend ist nicht die Zahl an der Kammer, sondern wie weit deine Haut abkühlt. Am besten untersucht ist die Ganzkörperkältetherapie als Ergänzung bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Fibromyalgie. Zu Schlaf und Regeneration nach dem Sport gibt es erste Studien, zu vielen anderen Anwendungen bisher kaum belastbare Daten. Sie ersetzt keine ärztliche Behandlung, kann sie aber sinnvoll begleiten.

Was ist eine Kältekammer?

Eine Kältekammer ist ein Raum, in dem die Luft auf extreme Minusgrade gekühlt wird. Fachlich heißt die Anwendung Ganzkörperkältetherapie (englisch whole-body cryotherapy) oder Kryotherapie. Bei cooldown.me hat die Kammer –87 °C, eine Session dauert bis zu fünf Minuten.

Weil die Luft sehr trocken ist, fühlt sich die Kälte deutlich milder an, als die Zahl vermuten lässt. Man trägt Shorts bzw. Sportkleidung, Handschuhe, Socken, Schuhe und einen Stirnschutz. Die Kältekammer ist dabei etwas anderes als das Vereisen einzelner Hautstellen beim Hautarzt oder die Kryolipolyse („Fettwegfrieren“). Beide heißen ebenfalls Kryotherapie, haben mit der Ganzkörperanwendung aber nichts zu tun.

Warum –87 °C?

Wir arbeiten mit –87 °C, weil der Hersteller unserer Kältekammer diese Temperatur für das Gerät vorsieht. Viele Studien nutzen kältere Kammern mit –110 °C bis –140 °C und kürzere Zeiten von bis zu drei Minuten (Lombardi et al. 2017). Das heißt aber nicht, dass kälter automatisch besser ist.

Für die Wirkung zählt vor allem, wie stark die Haut abkühlt. Forscher nutzen dafür als Zielwert eine Hauttemperatur unter 13,6 °C: Ab dieser Schwelle leiten die Nerven Reize messbar langsamer weiter, was für die schmerzlindernde Wirkung der Kälte als wichtig gilt (Jdidi et al. 2024). Wie schnell dieser Wert erreicht wird, hängt von Temperatur, Dauer, Luftbewegung und auch vom Körperbau ab. In derselben Studie reichten schon –50 °C mit Luftstrom, um die Zielwerte nach 3,5 bis 4 Minuten zu erreichen.

Deshalb ist die Session bei –87 °C mit bis zu fünf Minuten etwas länger als in Kammern mit –110 °C. Die längere Zeit soll die höhere Temperatur ausgleichen, damit die Haut ausreichend abkühlt. Gleichzeitig bleibt die Kälte gut aushaltbar, auch für Einsteiger.

Wichtig für die Einordnung: Viele der Studien in diesem Artikel wurden mit kälteren Kammern durchgeführt. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf –87 °C übertragen.

Was passiert im Körper?

Der Körper reagiert auf die extreme Kälte sofort und auf mehreren Ebenen:

  • Haut kühlt stark ab, der Körperkern kaum: Die Hauttemperatur sinkt um 5–12 °C, vor allem an den Beinen. Die Körperkerntemperatur fällt nur um etwa 0,3–0,4 °C (Lombardi et al. 2017).
  • Das Nervensystem schaltet auf Aktivierung: Die Blutgefäße in der Haut ziehen sich zusammen, danach werden sie wieder stark durchblutet. Viele beschreiben das anschließende Gefühl als wach und warm.
  • Entzündungsbotenstoffe verändern sich: Eine Meta-Analyse von 11 randomisierten Studien mit 274 Teilnehmenden fand nach Ganzkörperkältetherapie niedrigere Werte des entzündungsfördernden Botenstoffs IL-1β und höhere Werte des entzündungshemmenden IL-10. Bei IL-6 und TNF-α zeigte sich kein Unterschied (Chen et al. 2025).
  • Stoffwechsel: In Studien mit zehn und mehr Anwendungen wurden günstigere Blutfettwerte beobachtet (Lombardi et al. 2017). Ob das im Alltag eine Rolle spielt, ist offen.

Was Studien zeigen: Überblick

Die Studienlage ist je nach Anwendung sehr unterschiedlich. Die folgende Übersicht fasst den Stand zusammen:

AnwendungStudienlageWas untersucht wurde
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen (v. a. rheumatoide Arthritis)vergleichsweise gutweniger Schmerzen und geringere Krankheitsaktivität in einer systematischen Übersicht von 6 Studien
Fibromyalgiemehrere kleine Studienweniger Schmerzen während einer Anwendungsserie, Effekt nach 3 Monaten nicht mehr messbar
Schlafeinzelne Studien mit SportlernSchlafqualität nach Anwendung am Abend
Muskelkater nach dem SportunklarCochrane-Übersicht: Evidenz reicht nicht für eine Aussage
Rücken, Arthrose, Haut, Wechseljahrekaum eigene Studienvor allem Erfahrungsberichte

Anwendungen im Detail

Rheuma und entzündliche Beschwerden

Hierfür wurde die Ganzkörperkältetherapie ursprünglich entwickelt. Eine systematische Übersicht mit 6 Studien und 257 Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis fand nach wiederholten Anwendungen eine deutliche Abnahme von Schmerzen und Krankheitsaktivität. Die Autoren sehen die Kältetherapie als mögliche Ergänzung zur Rheumabehandlung, fordern aber besser aufgebaute Studien mit einheitlichen Protokollen (Guillot et al. 2014).

Eine aktuelle Übersicht aus 2026 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Bei rheumatologischen Erkrankungen sei die Wirksamkeit auf Entzündung und Krankheitsaktivität am besten belegt. Gleichzeitig seien die Studienergebnisse uneinheitlich und die Langzeiteffekte kaum untersucht (Dziugieł et al. 2026).

Wenn du Rheuma hast, sprich vorher mit deiner Rheumatologin oder deinem Rheumatologen. Die Kältekammer ersetzt keine Medikamente und keine Therapie.

Gelenke und Arthrose

Zur Arthrose gibt es deutlich weniger Forschung als zu entzündlichem Rheuma. Belastbare Studien, die eine Wirkung speziell bei Arthrose zeigen, gibt es bisher kaum. Wir behaupten deshalb nichts, was nicht belegt ist.

Fibromyalgie

In einer kontrollierten Studie erhielten 23 Menschen mit Fibromyalgie sechs Anwendungen bei –130 °C über sechs Wochen. Die Schmerzen gingen bereits nach drei Anwendungen deutlich zurück, ebenso die Krankheitsaktivität. Drei Monate nach dem Ende der Serie war kein Effekt mehr messbar (Klemm et al. 2021). Das spricht dafür, dass es auf Regelmäßigkeit ankommt.

Schlaf und Stress

Eine französische Studie mit sportlich aktiven Männern kam zu dem Ergebnis, dass eine dreiminütige Anwendung nach dem Abendtraining die Schlafqualität verbessert (Douzi et al. 2019). Für Menschen ohne Training oder mit Schlafstörungen ist das bisher nicht untersucht.

Sport und Regeneration

Unter Sportlern ist die Kältekammer weit verbreitet. Die wissenschaftliche Lage ist gemischt: Eine Cochrane-Übersicht mit vier kleinen Studien kam 2015 zu dem Schluss, dass die Evidenz nicht ausreicht, um eine Wirkung auf Muskelkater zu belegen oder auszuschließen (Costello et al. 2015). Neuere Übersichten beschreiben positive Effekte auf Entzündungswerte und die Erholung, betonen aber die unterschiedliche Qualität der Studien (Lombardi et al. 2017).

Rücken, Haut und Wechseljahre

Zu Rückenschmerzen, Hautthemen wie Neurodermitis oder Psoriasis und zu Beschwerden in den Wechseljahren gibt es bisher kaum eigene Studien zur Ganzkörperkältetherapie. Sobald es belastbare Daten gibt, ergänzen wir sie hier.

Wo die Forschung an Grenzen stößt

Unterm Strich: Die Kältekammer ist gut erforscht, was die Reaktion des Körpers angeht, aber weniger gut, was konkrete Beschwerden angeht. Die meisten Studien sind klein, verwenden unterschiedliche Temperaturen (meist kälter als unsere –87 °C) und Anwendungszeiten und schauen nur auf kurze Zeiträume (Dziugieł et al. 2026; Bleakley et al. 2014). Wer dir eine Heilung durch Kälte verspricht, sagt nicht die Wahrheit.

Für wen ist die Kältekammer nicht geeignet?

Unter kontrollierten Bedingungen gilt die Ganzkörperkältetherapie als sicher (Dziugieł et al. 2026). Es gibt aber klare Gegenanzeigen. Ein internationales Expertengremium hat sie 2025 zusammengestellt (Capodaglio et al. 2025). Die wichtigsten:

Vorübergehend nicht geeignet bei:

  • akuten Infekten, Erkältung oder Fieber
  • Blutdruck ab 160/100 mmHg oder sehr niedrigem Blutdruck mit Kreislaufproblemen
  • Schwangerschaft
  • offenen Hautstellen
  • Unwohlsein, Schwindel oder Übelkeit am Tag der Anwendung
  • Platzangst oder ausgeprägter Kälteunverträglichkeit

Vor deiner ersten Session fragen wir diese Punkte mit einem kurzen Gesundheitsfragebogen ab. Bei Herz-, Lungen- oder anderen Vorerkrankungen kläre die Anwendung bitte vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

So läuft eine Session bei cooldown.me ab

Mann mit Mütze, Handschuhen und Maske während einer Session in der Kältekammer
  1. Ankommen und Fragebogen: Beim ersten Besuch gibt es ein kurzes Beratungsgespräch. Wir gehen die Gegenanzeigen mit dir durch und füllen gemeinsam den Gesundheitsfragebogen aus. Plane dafür rund 25 Minuten ein, Folgetermine dauern etwa 10 Minuten.
  2. Umziehen: In der Umkleidekabine ziehst du Sportunterwäsche oder Bikini/Badehose an. Mütze oder Ohrenschützer sind Pflicht, dazu kommen Handschuhe und dicke Socken oder Schuhe. Die Ausrüstung liegt kostenlos für dich bereit, du kannst sie aber auch selbst mitbringen. Die Haut muss trocken sein.
  3. Die Session: Du stehst für bis zu fünf Minuten bei –87 °C in der Kältekammer und bleibst dabei in Bewegung. Wir sind die ganze Zeit dabei, und du kannst jederzeit rausgehen.
  4. Danach: Leichte Bewegung hilft dem Körper beim Aufwärmen. Das Kältegefühl verschwindet meist nach wenigen Minuten, und du kannst direkt in deinen Alltag starten. Die meisten fühlen sich direkt danach wach und warm.

Wie oft? In den Studien oben wurden meist 6–10 Anwendungen innerhalb weniger Wochen durchgeführt. Die Fibromyalgie-Studie zeigt, dass der Effekt nach dem Ende einer Serie wieder nachlassen kann. Regelmäßigkeit bringt also mehr als einzelne Besuche.

Häufige Fragen

Wie wirkt die Kältekammer?

Die extreme Kälte kühlt die Haut innerhalb weniger Minuten stark ab, ohne dass die Körperkerntemperatur nennenswert sinkt. Der Körper reagiert mit einer Aktivierung des Nervensystems, einer Veränderung der Durchblutung und einer Veränderung von Entzündungsbotenstoffen. Am besten untersucht ist die Anwendung als Ergänzung bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

Wie kalt ist es in der Kältekammer?

Bei cooldown.me hat die Kammer –87 °C. Weil die Luft sehr trocken ist, fühlt sich das milder an, als die Zahl vermuten lässt.

Warum –87 °C und nicht –110 °C?

–87 °C ist die Temperatur, die der Hersteller unserer Kältekammer vorsieht. Entscheidend für die Wirkung ist, wie weit die Haut abkühlt. Das hängt von Temperatur und Dauer ab, deshalb dauert eine Session bei uns bis zu fünf Minuten statt bis zu drei.

Ist die Kältekammer gefährlich?

Unter Aufsicht und bei Beachtung der Gegenanzeigen gilt sie als sicher. Wichtig sind trockene Haut, Schutz für Hände, Füße und Ohren sowie die Einhaltung der Zeit.

Wie oft sollte man in die Kältekammer?

In Studien wurden meist 6–10 Anwendungen innerhalb weniger Wochen durchgeführt. Die Effekte können nach dem Ende einer Serie wieder nachlassen, deshalb ist Regelmäßigkeit wichtiger als die einzelne Session.

Hilft die Kältekammer beim Abnehmen?

Die Kältekammer ist kein Abnehmprogramm. Einzelne Studien zeigen Veränderungen im Stoffwechsel, einen nennenswerten Gewichtsverlust belegen sie nicht. Mit der Kryolipolyse („Fettwegfrieren“) hat die Kältekammer nichts zu tun.

Kann ich mit Bluthochdruck in die Kältekammer?

Gut eingestellter Bluthochdruck ist meist kein Hindernis. Ab 160/100 mmHg oder bei nicht eingestelltem Bluthochdruck ist die Kältekammer nicht geeignet. Sprich im Zweifel vorher mit deinem Arzt.

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Quellen

  1. Lombardi G, Ziemann E, Banfi G (2017): Whole-Body Cryotherapy in Athletes: From Therapy to Stimulation. An Updated Review of the Literature. Frontiers in Physiology 8:258. Link
  2. Chen J et al. (2025): Whole-body cryotherapy can reduce the inflammatory response in humans: a meta-analysis based on 11 randomized controlled trials. Scientific Reports. Link
  3. Guillot X et al. (2014): Cryotherapy in inflammatory rheumatic diseases: a systematic review. Expert Review of Clinical Immunology 10(2). Link
  4. Dziugieł R, Bołtuć-Dziugieł A, Jaroszyński A (2026): Cold as a therapeutic frontier: place of whole-body cryotherapy in modern medicine. European Journal of Applied Physiology. Link
  5. Klemm P et al. (2021): Serial whole-body cryotherapy in fibromyalgia is effective and alters cytokine profiles. Advances in Rheumatology. Link
  6. Douzi W et al. (2019): 3-min whole body cryotherapy/cryostimulation after training in the evening improves sleep quality in physically active men. European Journal of Sport Science 19(6). Link
  7. Costello JT et al. (2015): Whole-body cryotherapy (extreme cold air exposure) for preventing and treating muscle soreness after exercise in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews. Link
  8. Bleakley CM et al. (2014): Whole-body cryotherapy: empirical evidence and theoretical perspectives. Open Access Journal of Sports Medicine. Link
  9. Jdidi H et al. (2024): Optimal duration of whole-body cryostimulation exposure to achieve target skin temperature: influence of body mass index – a randomized cross-over controlled trial. Journal of Physiological Anthropology. Link
  10. Capodaglio P et al. (2025): Contraindications to Whole-Body Cryostimulation (WBC). A position paper from the WBC Working Group of the International Institute of Refrigeration and the multidisciplinary expert panel. Frontiers in Rehabilitation Sciences. Link